{"id":78,"date":"2022-06-16T16:08:29","date_gmt":"2022-06-16T16:08:29","guid":{"rendered":"https:\/\/kanku-sho-karate.com\/?page_id=78"},"modified":"2022-06-16T16:08:29","modified_gmt":"2022-06-16T16:08:29","slug":"karate-das-grundlegende-stilkonzept","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kanku-sho-karate.com\/?page_id=78","title":{"rendered":"KARATE \u2013 Das grundlegende Stilkonzept"},"content":{"rendered":"\n<p>KARATE \u2013 Das grundlegende Stilkonzept<\/p>\n\n\n\n<p>Als Meister Funakoshi 1922 nach Japan kam sah er sich bald mit einer neuen Mentalit\u00e4t konfrontiert, die das Bild des okinawanischen Karate entscheidend ver\u00e4ndern sollte. Auf Okinawa war es bis zu jenem Zeitpunkt un\u00fcblich, durch die Auswahl der Methoden aus dem Hauptsystem eigene Stile zu gr\u00fcnden, die sich dann selbst f\u00fcr wichtiger als das Hauptsystem hielten.<strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wohl bestand das Okinawa-te aus einem immensen Umfang an Methoden und Techniken, so da\u00df es keinem einzelnen Menschen m\u00f6glich war, sie alle zu beherrschen. Doch die Meister konzentrierten sich in ihrem Unterricht auf pers\u00f6nliche Schwerpunkte aus dem Gesamtsystem und lehrten \u2013 ohne gleich einen eigenen Stil zu gr\u00fcnden \u2013 ihre eigene Auffassung von Kampfkunst. Sie alle sch\u00f6pften aus einem riesigen System \u2013 dem Okinawa-te \u2013 dem jede pers\u00f6nliche Auffassung untergeordnet blieb, jedoch dann, wenn sie von Wert war, vom Hauptsystem selbstverst\u00e4ndlich \u00fcbernommen und bewahrt wurde. Lediglich nach dem Gebiet, in dem die Meister wohnten, unterschied man das Okinawa-te in Shuri-te, Tomari-te und Naha-te. Meister Funakoshi geh\u00f6rte zu den gro\u00dfen Experten der okinawanischen Kampfkunst. Mehr als drei\u00dfig Jahre lang war er Sch\u00fcler des Shorin-ryu. er \u00fcbte zuerst unter den Meistern Itosu und Azato das Shurit-te und danach unter mehreren Meistern (Matsumora, Niigaki) das Tomari-te. Er kannte den ungeheuren Umfang des Okinawa-te besser als jeder andere und wu\u00dfteum das Prinzip der Unantastbarkeit des Hauptsystems. In den jeweiligen Schulen des Shorin-ryu \u00fcbte man nur eine kleine Zahl von&nbsp;Kata, je nachdem welche Schwerpunkte von dem Meister der Schule gesetzt wurden. Doch niemand entfernte sich vom Hauptsystem oder sersuchte das Hauptsystem durch seine pers\u00f6nliche Ansicht zu ersetzen. Die Achtung vor dem Hauptsystem als Ganzes erm\u00f6glichte jedem Meister seinen Weg aus einer gro\u00dfen Vielfalt von M\u00f6glichkeiten zu w\u00e4hlen. Durch die langj\u00e4hrige Erforschung der okinwanischen Systeme hatte Meister Funakoshi einen tiefen Einblick in die M\u00f6glichkeiten, die darin enthalten waren. Als er jedoch nach Japan kam, traf er auf eine neue Mentalit\u00e4t, die das Lehren der Kampfkunst nach altem okinawanischen Muster unm\u00f6glich machte. In Japan war man gerade dabei, die Kampfk\u00fcnste von der Tradition zu entfernen und als Konsumware anzubieten, weil man sich dadurch eine schnellere Verbreitung und nat\u00fcrlich auch pers\u00f6nliche Vorteile erhoffte. Dazu brauchte man den klar umrissenen, konkurrenzf\u00e4higen Stil, der marktorientiert zurechtsgeschnitten die Gegen\u00fcberstellungen zum anderen Stil aushielt. In dieser ver\u00e4nderten Auffassung begann Meister Funakoshi in Japan zu unterrichten. von Anfang an wurde deutlich, da\u00df er seine japanischen Sch\u00fcler mit dem was im okinawanischen Karate bisher galt nicht begeistern konnte. Die modernen Japaner suchten den Anschlu\u00df an die konsumorientierte Welt und verzehrten sich in der Bem\u00fchung Qualit\u00e4t duch Quantit\u00e4t zu ersetzten. Karate als Weg konnte in Japan jener Zeit nur schwer \u00fcberleben. Es brauchte den sportlichen Aspekt, den Wettbewerb und den \u00e4u\u00dferen Reiz. Meister Funakoshi wehrte sich lange dagegen, denn er ahnte, da\u00df Karate dadurch seinen Inhalt verlieren w\u00fcrde. Er suchte nach M\u00f6glichkeiten, die ihm erlauben w\u00fcrden beides miteinander zu verbinden.<br>Die bedeutendste Erneuerung war, dass er schlie\u00dflich erlaubte, dass \u00fcber das&nbsp;Kata-Bunkai&nbsp;hinaus noch andere Formen des&nbsp;Kumite&nbsp;in die \u00dcbung einflossen und nach und nach zum festen Bestandteil des Trainings wurden.<br>So entstand zuerst das&nbsp;Gohon-Kumite&nbsp;und Sanbon-Kumite, danach das&nbsp;Kihon&nbsp;Ippon-Kumite, das Jiyu&nbsp;Ippon-Kumite&nbsp;und schlie\u00dflich das Jiyu-Kumite.<br>Eine der gr\u00f6\u00dften Aufgabe war allerdings das \u00dcbungssystem so anzupassen, dass das Training den Zugang zum Karate als Ganzes auch f\u00fcr die Zukunft gew\u00e4hren kann, in seinem Umfang aber soweit begrenzt war, dass die \u00dcbungen nicht in blo\u00dfes Formstreben ausartet.<br>Die okinawanische Methode, die Sch\u00fcler drei jahre lang ein und dieselbe&nbsp;Kata&nbsp;wiederholen zu lassen (Hito kata san nen), konnte in Japan unm\u00f6glich angewendet werden. Es dauerte fast 15 Jahre bis Meister Funakoshi sich endg\u00fcltig entschied, die&nbsp;Kata&nbsp;in seiner Schule zu reduzieren. In seiner ersten Ver\u00f6ffentlichung (Ryukyu Kempo Karate, 1922) beschreibt er noch die&nbsp;Kata&nbsp;Pinan 1-5, Naihanchi 1-3, Basai-dai, Bassai-sho, Kushanku-dai, Kushanku-sho, Gojushiho, Sesan, Chinto, Chinte, Ji\u2019in, Jion, Jitte, Wanshu, Wandau, Rohai, Jumu, Wando, Sochin, Nisehi, Sanseru, Suparinpei, Wanku-wan, Kokan und Unsu. Dies ist ein bunt gemischtes Systems, in dem alle okinawanischen Schulen inbegriffen sind, doch es war als Unterrichtsmethode zu breit. Erst in seinem letzten Buch \u201eKarate-d\u00f4 Ky\u00f4han\u201c legt Funakoshi die&nbsp;Kata&nbsp;seines Systems auf 15 fest.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auswahl der&nbsp;Kata&nbsp;Diesen \u201emittleren Weg\u201c, von dem Meister Funakoshi auch im&nbsp;\u201eKarate-d\u00f4 Ky\u00f4han\u201c spricht, fand er in der Auswahl von 15&nbsp;Kata. Von den vielen Formen, die es im okinawanischen Sh\u00f4rin-ry\u00fb gibt, w\u00e4hlte er jene aus, die seiner Meinung nach f\u00fcr die wichtigsten Karate-Aspekte repr\u00e4sentativ waren und dem sp\u00e4teren Meister die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnen, in jeden Bereich des okinawanischen Karate vorzusto\u00dfen.<br>Seinen Unterricht baute er jedoch nur auf diesen 15&nbsp;Kata&nbsp;auf, obwohl seine Sch\u00fcler noch viele andere Formen \u00fcbten. Er erlaubte dies nat\u00fcrlich und sagte, es k\u00f6nnen nicht schaden, wenn die Sch\u00fcler auch andere alte Karate-Kata&nbsp;studierten. Doch die Sh\u00f4t\u00f4kan-Schule, wie sie sich in den 30iger Jahrer herauszubilden begann, konzentrierte sich auf das&nbsp;Bunkai&nbsp;dieser 15&nbsp;Kata. Bis heute hat sich diesbez\u00fcglich nichts ge\u00e4ndert, obwohl es im modernen Shotokan-System inzwischen eine gro\u00dfe Anzahl von&nbsp;Kata&nbsp;gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KARATE \u2013 Das grundlegende Stilkonzept Als Meister Funakoshi 1922 nach Japan kam sah er sich bald mit einer neuen Mentalit\u00e4t konfrontiert, die das Bild des okinawanischen Karate entscheidend ver\u00e4ndern sollte. 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